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Friedliche Entwaffnung
Massenproteste gegen zweiten Golfkrieg
In Berlin haben sich mehrere tausend Menschen zu einer Demonstration gegen
den drohenden Krieg im Irak versammelt. Sie trafen sich in der westlichen
und östlichen Innenstadt und wollen am Mittag ihren Protestmarsch
zum Brandenburger Tor beginnen. Dort ist am Nachmittag die zentrale Kundgebung
geplant. Die Polizei schätzt die Zahl der Demonstranten derzeit auf
350.000; ursprünglich hatten die Veranstalter lediglich ein Drittel
davon erwartet.
Entgegen einer ausdrücklichen Bitte von Bundeskanzler Schröder
haben sich auch drei Regierungsmitglieder angekündigt: Umweltminister
Trittin, Verbraucherschutzministerin Künast und Entwicklungsministerin
Wieczorek-Zeul. Die Unionsparteien haben dies bereits heftig kritisiert.
CDU-Generalsekretär Meyer sagte, es sei eine grobe Verletzung des
politischen Stils, wenn sich Kabinettsvertreter an anti-amerikanischen
Demonstrationen beteiligen. Bundestagspräsident Thierse sagte ebenfalls
sein Kommen zu.
Demonstrationen in siebzig deutschen Städten
Organisatoren der Berliner Veranstaltung sind neben Friedensinitiativen
und Gewerkschaften auch Parteiverbände von Sozialdemokraten, Grünen
und PDS. Sie haben sich in einem "Aktionsbündnis 15. Februar"
zusammengeschlossen, in dessen Aufruf es heißt: "Nur wenn der
politische Druck auf die Vereinigten Staaten und deren Verbündete
steigt, kann der Krieg gestoppt werden." Auch in siebzig anderen
deutschen Städten haben Kriegsgegner zu Demonstrationen aufgerufen,
so beispielsweise in Stuttgart, wo mehr als 20.000 Menschen friedlich
durch die Innenstadt liefen. Auf ihren Plakaten forderten die Friedensaktivisten
das sofortige Ende der Kriegsvorbereitungen. "Kein Blut für
Öl" oder "Bush-Feuer sind unkalkulierbar" war zu lesen.
Größte Friedensbewegung seit Vietnamkrieg
Die Protestveranstaltungen in Deutschland sind Teil eines weltweiten
Aktionstages gegen militärische Gewalt am Golf, an dem sich auch
Menschen in anderen Städten Europas und den USA beteiligen. So hat
in London eine der größten Antikriegs-Demonstrationen der britischen
Geschichte begonnen. Eine halbe Million Menschen protestiert gegen die
Absicht von Premierminister Blair, die Bush-Administration mit 40.000
Soldaten am Golf zu unterstützen. In Rom rechnen die Veranstalter
sogar mit einer Million Teilnehmer. Schließlich werden auch in San
Francisco und New York mehrere hunderttausend Demonstranten erwartet.
Einen Protestzug direkt am Hauptsitz der Vereinten Nationen hatten die
Behörden jedoch mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken verboten.
Zum Auftakt der weltweiten Proteste waren vergangene Nacht in Melbourne
mehr als 100.000 Australier auf die Straße gegangen. Seit dem Vietnamkrieg
vor gut 30 Jahren war es die größte Demonstration im Land.
Auch in Tokio, Manila und selbst in Dili, der Hauptstadt von Ost-Timor,
fanden sich Kriegsgegner zusammen.
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