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Regierung zählt die Tage bis zum Angriff / Sicherheitsratstagung nur Alibi / Planungen für »Nach-Hussein«
Von René Heilig
Bis Donnerstagmorgen (Ortszeit) hatten bereits 83 US-amerikanische Städte an Präsident George W. Bush appelliert, auf eine »unilaterale Aktion« gegen Irak zu verzichten. Zu den Vorreitern des Zusammenschlusses »Städte für den Frieden« gehören Millionenzentren wie San Francisco, Detroit, Seattle, Austin, Chicago, Portland, Baltimore, Denver, Santa Fe, Cleveland, Boston, Minneapolis. Neben den Namen von Westküsten-Nobelorten wie Santa Barbara und Santa Monica stehen Städte mit historischer Bedeutung wie Woodstock und Boston. Aus der Atombombenstadt Los Alamos ist eine Petition unterwegs.
Die Mehrheit der Einwohner »lehnten einen Krieg gegen ein Land ab, das uns nicht angegriffen hat«, betonte die Koordinatorin Karen Dolan. Weitere Städte und Regionen würden in den kommenden Tagen ähnliche Resolutionen verabschieden. Nun versuche man die jeweils zuständigen Senatoren davon zu überzeugen, dass sie ebenso Stellung beziehen. Ein Argument müsse sein, dass ein Krieg Tausende Menschen in Irak und zahlreiche US-Soldaten das Leben kosten würde. Zudem verschlingt das Militär Mittel, die Städten und Kommunen fehlen.
Ungeachtet vielfältiger Proteste auch im eigenen Land treibt die Bush-Administration weiter zum Waffengang. Beobachter erwarten, dass der heutige Bericht der UN-Waffeninspektoren sowie der von Großbritannien einzubringende Resolutionsentwurf nur noch pro forma wahrgenommen werden. Der Terminplan ist eng. Gestern war eine Unterrichtung des Präsidenten durch den US-Oberbefehlshaber in der Golfregion, General Tommy Franks, auf dem Programm. Unter seinem Kommando stehen derzeit 150 000 Mann US- und 35 000 Mann britische Truppen. Als Indiz dafür, dass der Countdown läuft, wertet die »Washington Post«, dass Franks nach dem Präsidententermin sofort ins Aufmarschgebiet zurück flog. Bush dagegen eilt zur Marine-Basis in Jacksonville, dem Heimathafen von 22 Kriegsschiffen. Mit einer Rede auf dem Flugzeugträger »John F. Kennedy« wollte er die Streitkräfte daheim und im Felde auf ihren Job vorbereiten, schreibt eine Militärzeitschrift.
Auf seine Website stellte CNN ein rot gefärbtes Capitol, über dem sich dunkle Wolken ballen. Der Nachrichtensender listet Termine anderer Regierungsmitglieder auf. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld und der Chef des Vereinten Stabes, General Richard Myers, trafen sich auf dem Capitol Hill mit dem Streitkräftekomitee. Außenminister Colin Powell unterrichtete kurze Zeit darauf den Haushaltsausschuss. Dabei spielten Planungen für die »Nach-Hussein-Zeit« eine Rolle. Für zwei Jahre soll Irak von einem US-General regiert werden, dem ein »Rat« einheimischer Politiker zur Seite steht.
Die USA sind ferner dabei, ihr Botschaftspersonal in Bahrain und Katar zu reduzieren. Auch aus Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien, Israel, Syrien und Libanon werden Rückrufe gemeldet.
Die Luftwaffen Großbritanniens und der USA haben in den vergangenen zwei Tagen Angriffe auf irakische Raketenstellungen geflogen. Die Flugkörper vom Typ Ababil-100 sind zwar laut UN-Resolution zugelassen, doch könnten sie Aufmarschgebiete der USA in Kuwait erreichen. In dem Land sind auch ABC-Truppen der Bundeswehr stationiert.
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