|
Aktionen der Friedensfreunde 150.000 auf der Straße
Am Tag der Sicherheitsratssitzung in New York sind weltweit zehntausende
auf die Straße gegangen. In Australien demonstrierten schätzungsweise
150.000 Menschen gegen einen Irak-Krieg. Die Protestveranstaltung bildete
den Auftakt zu weiteren Demonstrationen in mehr als 600 Städten weltweit,
zu denen am Wochenende Millionen Menschen erwartet werden.
Die Anti-Kriegs-Demonstration in Melbourne war die größte in
Australien seit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg in den 60er Jahren.
Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Kein Blut
für Öl" oder "Keine Bomben auf Irak". Die Teilnehmer
der Kundgebung kamen aus allen gesellschaftlichen Schichten und allen
Altersgruppen. Schülern war sogar früher freigegeben worden,
damit sie an der Demonstration teilnehmen konnten. Die Demonstration legte
den gesamten Verkehr in Australiens zweitgrößter Stadt lahm.
Drei Schröder-Minister demonstrieren
Berlin erwartet am Samstag die größte Friedensdemonstration,
die die Stadt seit Jahrzehnten erlebt hat. Für den Protestmarsch,
zu dem die Veranstalter mehr als 100.000 Menschen erwarten, hat sich prominente
Unterstützung angekündigt: Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse (SPD) will ebenso mit von der Partie sein wie Liedermacher Konstantin
Wecker. Die Teilnehmer sollen in zwei Demo-Zügen zum Brandenburger
Tor ziehen, wo am Nachmittag die zentrale Kundgebung stattfinden wird.
Entgegen der ausdrücklichen Bitte von Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) wollen mindestens auch drei Regierungsmitglieder auch demonstrieren.
Nach Angaben der jeweiligen Ministerien wollen neben Entwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) auch Umweltminister Jürgen Trittin
und Verbraucherministerin Renate Künast (beide Grüne) an der
Kundgebung in Berlin teilnehmen.
Regierungssprecher Bela Anda sagte: "In der Regel ist es nicht so,
dass Regierungsmitglieder an Demonstrationen teilnehmen." Trotz der
Kanzler-Bitte sei es ihnen aber freigestellt, selbst über eine Teilnahme
zu entscheiden. Es gebe keinen Kabinettsbeschluss. Scharfe Kritik gab
es deswegen von der Union. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte
der "Bild"-Zeitung: "Es ist eine grobe Verletzung des politischen
Stils, wenn sich eine Bundesministerin an anti-amerikanischen Demonstrationen
beteiligt."
Zur Demonstration mobilisieren neben den Friedensinitiativen, Gewerkschaften
auch Kirchen und Parteigliederungen der SPD, Grünen und der PDS.
In dem Aufruf des deutschen "Aktionsbündnisses 15. Februar"
heißt es: "Nur wenn der politische Druck auf die USA und ihre
Verbündeten steigt, kann der Krieg gestoppt werden."
Millionen demonstrieren weltweit
Rund um den Globus wollen am Samstag Millionen von Menschen gegen den
erwarteten Irak-Krieg demonstrieren. Besonders in jenen Ländern,
deren Regierungen hinter dem Irak-Kurs der USA stehen, ist mit starkem
Protest zu rechnen. In London etwa werden bis zu einer halben Million
Menschen erwartet, die auf einer zentralen Kundgebung ihrem Unmut über
die Unterstützung der USA durch Premierminister Tony Blair Luft machen
wollen.
Auch in Italien hat ein breites Spektrum von Organisationen zu einer Großkundgebung
in Rom aufgerufen. Hier wird mit bis zu einer Million Demonstranten gerechnet.
Bereits Anfang November hatten beim "Ersten Europäische Sozialforum"
in Florenz zwischen 500.000 und einer Million Menschen gegen den Irak-Krieg
demonstriert. Weitere Proteste sind in Athen, Madrid, Wien, Budapest,
Prag, Bratislava, Zagreb und Amsterdam geplant.
In den USA rechnen die Veranstalter damit, dass mehrere hunderttausend
Menschen zu der Großkundgebung in New York nahe dem Sitz der Vereinten
Nationen kommen. Einen Demonstrationszug direkt am UN-Gebäude vorbei
hatte die Stadtverwaltung allerdings unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken
untersagt. Die Friedensdemonstranten werden auch von Angehörigen
der Opfer vom 11. September 2001 unterstützt. In San Francisco werden
am Sonntag mehr als 100.000 Kriegsgegner erwartet.
|